Monatsimpuls Mai 2020

 

„… Freiheit, ist die einzige, die fehlt! …“ Marius Müller-Westernhagen

Dieser Satz ist in diesen Tagen in allen Medien immer wieder zu hören und zu lesen. Die Rufe werden immer lauter, dass wir unsere Freiheit zurückbekommen wollen.
Stellen wir uns doch die Frage: „Von welcher Freiheit reden wir überhaupt?“
Ist es die Bewegungsfreiheit, Meinungsfreiheit, Reisefreiheit, Pressefreiheit, Religionsfreiheit, …? Ist es wirklich die Freiheit die uns in den zurückliegenden Tagen abgeht? Oder definieren wir Freiheit für uns selbst individuell anders.
War Freiheit bisher etwas Selbstverständliches, so fällt uns diesen Tagen auf, dass Freiheit eine Errungenschaft ist, die ein großes Gut darstellt.
Menschen wie der ehemalige Bundepräsident Gauck haben uns schon seit Jahren auf dieses besondere Gut unserer Gesellschaft hingewiesen. Sicher auch deshalb, weil er in einem Staat aufgewachsen ist, der von Unfreiheit geprägt war. Seit der Wiedervereinigung war das Thema Freiheit nicht mehr so aktuell wie gerade in diesen Tagen.
Wenn wir uns ernsthaft fragen, was für uns Freiheit bedeutet, werden wir ehrlicherweise unsere eigene Freiheit zuerst in den Blick nehmen. Rosa Luxemburg erinnert uns aber auch daran, dass „Freiheit immer nur die Freiheit des Andersdenkenden ist.“
Im Berufsethikunterricht, bei der Vorbereitung auf die Vereidigung, thematisieren wir immer wieder, dass die Polizei die ‚freiheitlich demokratische Grundordnung‘ verteidigt.
Als hätte August Heinrich von Fallersleben am 26. August 1841 damals auf Helgoland schon gewusst, welche Bedeutung die Freiheit hat. So heißt es in der dritten Strophe seines Deutschlandliedes: „… Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand“.
Sicher sind wir während der Corona Pandemie oft auf uns selbst geworfen. Wir reflektieren unser Handeln neu und bewerten die Grundwerte unserer Gesellschaft.
Wenn Freiheit wirklich das Einzige ist, das fehlt, sollten wir uns alle um dieses hohe Gut unserer Verfassung, das für alle Altersgruppen gilt, bemühen.
Ich möchte mich bei ihnen, den Polizistinnen und Polizisten, besonders bedanken, dass sie sich tagtäglich für diesen wichtigen Wert unserer Gesellschaft unter sehr erschwerten Bedingungen einsetzen. Dafür ein herzliches Vergelt’s Gott.
Im Gottesdienst der Osternacht wurde uns eine biblische Freiheitsgeschichte erzählt, die des Volkes Israels das aus der Gefangenschaft Ägyptens ins gelobte Land geführt wird. Und so heißt es auch in einem Psalm, einem Gebet des ersten Bundes: „Du führst mich hinaus ins Weite, du machst meine Finsternis hell“ (Ps 18,29).
Ich wünsche uns allen, dass wir diese Erfahrung machen dürfen, dass wir die Freiheit wieder so leben dürfen wie wir es gewohnt waren und uns in dieser Freiheit wieder in den Dienststellen der Polizei Baden-Württembergs begegnen dürfen.

Auf ein baldiges Wiedersehen oder wie es in Italien heißt a dopo.

Bernhard Metz
Landespolizeidekan

 

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