ökumenische Jahrestagung 7.-9. Juli 2014

Migrantinnen und Migranten in der Polizei sind eine Bereicherung !

Auf der alle zwei Jahre stattfindenden ökumenischen Jahrestagung der Polizeiseel-sorge in Baden-Württemberg waren sich die Referenten und Teilnehmer einig, dass Menschen mit Migrationshintergrund die Organisation Polizei und die Gesellschaft bereichern.

Bereits Polizeidekan Diakon Georg Hug machte in seiner Eröffnung durch Zitate aus der Bibel deutlich, dass Migrantinnen und Migranten in der jüdisch christlichen Tradition bereichernd sind. Er hieß die Teilnehmer aus Polizei und den Kirchen herzlich willkommen sich mit diesem Thema qualifiziert zu befassen. Unter den teilnehmenden Polizistinnen und Polizisten waren passend zum Thema einige mit Migrationshintergrund.
Die Kulturanthropologin und Religionswissenschaftlerin Dr. Christian Kessler machte deutlich, dass die verschiedensten Kulturen, Nationen und Religionen der ganzen Welt viel mehr verbinden als trennen. Alle sind verbunden in der Liebe. Allen gemeinsam ist die Liebe. Eine für manche Teilnehmer gewagte Zusage war ihre Formulierung: „die Polizei ist eine liebende Organisation." Die Liebe zu den Menschen ist auch für eine gute Polizeiarbeit unerlässlich. Und Liebe heißt nicht, dass es keine Ordnung und keine Regeln geben könnte und würde. Im Gegenteil. Aber die Frage ist welche Regeln wir in Liebe aufstellen und wie liebevoll wir mit den Regeln umgehen.
Beeindruckend war das gemeinsame Gebet mit dem Landesbeauftragten der DITIB Ali Ipek und Domkapitular Matthäus Karrer von der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Texte aus der Bibel standen neben Texten aus dem Koran. Musikalisch gestaltet durch Emine Erol mit einer Sufiflöte und einem Saiteninstrument kam die orientalische Welt auch akustisch in die katholische Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Hohenheim. Wie unterschiedliche Herkunft und Religion sich in der Musik spiegeln war auch durch die Musik und die Lieder der 4 briider mit ihrer jiddischen Musik deutlich.

Da im Judentum der Name Gottes nicht ausgesprochen wird hat sich in der jiddischen Kultur eine Liedform entwickelt, in der die Menschen eine Melodie summen. In einem sogenannten Nigele kann man aber in dem staunenden jai dai da da dai, da dai Anklänge an das hebräische Wort für Gott, ADONAI, heraushören.
Vertreter aus allen Ebenen der Polizei – angefangen vom Landespolizeipräsidenten bis hin zu Polizisten zweier Stuttgarter Polizeireviere – machten deutlich, dass im täglichen Dienst die Migrantinnen und Migranten in ihren Reihen eine große Bereicherung sind. Angefangen vom anderen Verständnis von Flucht und Vertreibung oder der zwei Herzen für die alte und die neue Heimat, von kulturellen Traditionen bis hin zur Sprache. Dass Menschen mit Migrationshintergrund in der Polizei Baden-Württemberg Dienst tun ist inzwischen Normalität. Die Zahl der Polizeibeamtinnen und -beamten mit Migrationshintergrund soll und wird sich in den kommenden Jahren noch weiter erhöhen.
Prof. Dr. Wolf Hammann aus dem Integrationsministerium machte deutlich, dass es weiter die Begegnung zwischen den Menschen der verschiedensten Kulturen und Nationen braucht, dass es auch wichtig ist sich Wissen anzueignen und dass es unablässig ist zu differenzieren. Darauf machten sowohl die Integrationstrainerinnen Dr. Katrin Gratz und Dr. Annemarie Gronover, als auch Dr. Benno Köpfer, Islamwissenschaftler vom Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg, aufmerksam. Den Islam, das Christentum, auch die Salafinsten,... gibt es nicht. In allen Bereichen sind die Extremisten das Problem. Dort wo Weltanschauung, Religion, oder Ideologie zu extremistischen Positionen führt, werden Personen radikalisiert und werden Personen gefährlich.
Was es gibt sind Entwicklungen in Bevölkerungsgruppen, Regeln, Übereinkünfte, die prägend sind. Es gibt ein „typisch". So auch ein „typisch" deutsch. Es war wichtig und hilfreich sich das klar zu machen. Typisch deutsch waren und sind heute immer noch beispielsweise die sogenannten preußischen Tugenden, das ist die Art wie wir auf Menschen zugehen, die Kommunikation und auch die Auffassung von Familie. Es gibt die „typisch" deutsche Familie. Es gibt die „typisch" deutsche Kommunikation – direkt auf den Punkt. Aber auch hier gibt es viel Individualität und es gibt hier auch immer wieder Veränderungen. Spannend ist hier auch wie andere uns sehen; was andere für typisch deutsch halten. Oder wie wir die anderen sehen, was wir für typisch italienisch, türkisch, britisch,... halten. Auch hier können wir von anderen viel profitieren und uns gegenseitig ergänzen. Wenn wir die anderen in ihrem „typisch" besser kennenlernen, dann geht es auch hier mit der Verständigung und der guten Zusammenarbeit leichter.
Auf der ökumenischen Jahrestagung der Polizeiseelsorge greifen die Polizeiseelsor-ger alle zwei Jahre Themen, die in der Zusammenarbeit mit den Polizistinnen und Polizisten wichtig sind, oder die gesellschaftlich relevant sind, auf. Teilnehmer sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Polizei sowie Seelsorgerinnen und Seelsorger. Neben der fachlichen Beschäftigung mit einem Thema ist die Begegnung von Polizei und Seelsorge ein wichtiger Baustein der Veranstaltung. Hauptverantwortlich für eine Tagung ist jeweils eine der vier Kirchen, die die Polizeiseelsorge in Baden-Württemberg anbieten. Die evangelische Landeskirche Baden, die evangelische Landeskirche Württemberg, die Erzdiözese Freiburg und die Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Diakon Georg Hug
Polizeidekan der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Weitere Bilder


Emine Erol


Dr. Christina Kessler


die 4 briider


Diakon Georg Hug, Polizeidekan


Prof. Dr. Wolf Hammann, Integrationsministerium


Stuttgarter Polizisten


Landespolizeipräsident Gerhard Klotter

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