Monatsimpuls Januar 2020 – Polizeiseelsorge

 

 

 

Sehr geehrte, liebe Frauen und Männer, die Sie in der Polizei des Landes Baden-Württemberg Dienst tun,

Die leere Bank…

 

In unserem Wintergarten stehen die leeren Holzbänke unserer Gartengarnitur für den Sommer… Winterruhe, leer, verräumt, abgenutzt,. Da kam mir das Bild, dass diese leeren Bänke eigentlich die Geschichte des letzten Jahres erzählen. Mit wem hatten wir die schönen Tage des Jahres im Garten verbracht? Was ist nur alles passiert? Die leeren Bänke erzählen eine Geschichte, unsere ganz persönliche Geschichte. Die Bänke machen jeden einzelnen Tag wertvoll, unvergesslich, unwiederholbar. Dabei kam mir der Psalmvers 90,12 in den Sinn: „Lehre uns, unsere Tage zu zählen, damit wir ein weises Herz erlangen.“ Hier ein größerer Ausschnitt dieses Psalms 90:

 

Bevor die Berge geboren wurden und du unter Wehen Erde und Erdkreis geboren hast, durch alle Zeiten bist du, Gott. Tausend Jahre sind in deinen Augen wie der gestrige Tag, wenn er vorübergezogen ist – einer Nachtwache gleich. All unsere Tage schwinden dahin. Wir vollenden unserer Jahre wie ein Murmeln. Unser Leben dauert siebzig Jahre, manchmal, wenn wir stark sind, achtzig Jahre. Schnell geht es vorbei und wir fliegen weg. Lehre uns, unsere Tage zu zählen, damit wir ein weises Herz erlangen. Lass aufatmen, die dir zugeneigt sind. Sättige uns am Morgen mit deiner Freundlichkeit, dass wir vor Freude in die Luft springen, fröhlich sind an allen unseren Tagen. Die Sanftmut unserer mächtigen Gottheit sei über uns.

(Psalm 90, 2.4.9.10.12.13.14.17, nach Bibel in gerechter Sprache)

 

Der Psalmschreiber bettet sein eigenes Erleben seiner Tage, seines Lebens in etwas größeres Ganzes ein, nämlich in das Geboren werden aus Gott heraus und auch das Sterben in Gott hinein. Und in dieser Erkenntnis wendet er sich an Gott und bittet um die Fähigkeit, jeden einzelnen Tag in seinem So-Sein, in seiner Fülle leben zu dürfen, jeden Tag geradezu unerschöpflich einatmen zu können, sich der Schnelligkeit des Lebens bewusst zu werden und sich letztlich Gott überlassen zu wissen.

 

Die leere Bank. Am Wegrand. Im Wald. Diese Bank könnte bildhaft für unseren Lebensweg stehen, für den Moment, an dem wir bewusst inne halten, stehen bleiben, aufatmen, Luft holen, Leben genießen. Einfach da sein. Ich sein. Frei sein. Die Bank lädt ein, zu verweilen, sich zu setzen in Dankbarkeit für das Leben. Die Bank lädt auch ein, ab und an mit jemanden gemeinsam zu sitzen und das Leben zu betrachten. Sie wird zum Ort der Begegnung, der menschlichen Nähe.

 

Wenn ich mir die Situation in der Polizei ansehe, dann braucht jedeR diese bewussten Lebezeiten, ob alt oder jung, ob oben oder unten. Es braucht in der Hektik und der verdichteten Belastung umso mehr und umso wichtiger diese Momente einer leeren Bank für sich selbst, aber auch für das Kollegium. Ich werbe dafür, sich nicht unter der Last des Alltags aufzehren zu lassen. Ich werbe dafür, freundlich und menschlich zugewandt zueinander zu sein und zu bleiben, in der Erkenntnis, dass jeder Tag zählt und dass jeder Tag das letzte Mal sein könnte, einander begegnet zu sein. Auf dieser leeren Bank…In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein bewusstes Jahr 2020 im Kreislauf des Segens Gottes!

 

Diakon Dr. Hubert Liebhardt

Polizeiseelsorger für die Polizeipräsidien RT, RV, UL, HfPol

Reschweg 12, 89081 Ulm

0171-3134686

hubert.liebhardt@polizeiseelsorge.org

 

 

 

Bildnachweis: Hiob, Stock-Fotografie-ID:491071022, Hochgeladen am:21. Juni 2016

 

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