Impuls September 2019

Waage

Wir sind unermesslich wertvoll
In manchen meiner Seminare lasse ich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Stärken aufschreiben. Machen Sie das doch auch einmal. Beginnen Sie mal mit fünf Stärken von Ihnen, mit fünf Dingen, die sie gut können. Das fällt Vielen sehr schwer. Schade eigentlich, denn wir haben viele Stärken, Eigenschaften oder Fähigkeiten. Vieles ist uns im Leben schon gelungen.
Das gerät manchmal außer Blick. Wir schauen viel mehr auf das, was misslingt, das, was wir (noch) nicht können. Wir schätzen uns (zu) gering. Dabei sind wir unermesslich wertvoll. Und das sogar unabhängig davon was wir leisten oder können. Aber wir können ja was!

Taufe


Bei der katholischen Taufe werden die Täuflinge nach dem Übergießen mit dem Taufwasser mit besonderem Öl gesalbt – dem Chrisamöl. Eine wunderbare Handlung. Eine Geste, die einerseits zeigen soll, dass wir beschützt und behütet sind (schmieren und salben hilft körperlich und seelisch und ist im wahrsten Sinne des Wortes heilsam), aber auch ein Zeichen dafür, dass wir alle eine besondere Würde haben, dass jede und
jeder von uns unermesslich wertvoll ist. Wenn wir Säuglinge und kleine Kinder taufen, dann wird hier besonders deutlich, dass dies unabhängig davon ist, ob wir etwas geleistet haben, oder nicht – einfach weil wir da sind. Im Judentum, in dem die christliche Kirche ihre Wurzeln hat, wurden nur einzelne Menschen gesalbt; Menschen, die ganz besondere Aufgaben hatten, die besonders herausragend waren, oder die
besonders wertgeschätzt wurden. Die christliche Kirche hat diese Salbung früh übernommen und macht dadurch deutlich, dass nicht nur einzelne Menschen ganz besonders wertvoll sind, sondern alle.
Wir alle sind, wie es Nelson Mandela bei seiner Antrittsrede als Präsident der Republik Südafrika gesagt hat: leuchtend, begnadet, phantastisch. „Wir fragen uns: „Wer bin ich eigentlich, dass ich leuchtend, begnadet, phantastisch sein darf?“ Wer bist du denn, es
nicht zu sein? Du bist ein Kind Gottes. Wenn du dich klein machst, dient das der Welt nicht. Es hat nichts mit Erleuchtung zu tun, wenn du schrumpfst, damit andere um dich herum sich nicht verunsichert fühlen. Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes zu
verwirklichen, die in uns ist. Sie ist nicht nur in einigen von uns, sie ist in jedem Menschen. Und wenn wir unser eigenes Licht erstrahlen lassen, geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun. Wenn wir uns von unserer eigenen Angst befreit haben, wird unsere Gegenwart ohne unser Zutun andere befreien.“(1)
Sowohl wenn wir Katholiken am Eingang der Kirche mit geweihtem Wasser ein Kreuzzeichen machen, oder wenn in der evangelischen Kirche
Tauferneuerungsgottesdienste gehalten werden, dann soll uns das immer wieder daran erinnern, dass wir unermesslich wertvoll sind – wenn nicht immer in den Augen der Menschen, so doch in den Augen Gottes.


Sie sind wertvoll, Sie sind wichtig, Sie sind liebenswert – ich wünsche Ihnen, dass Ihnen das (wieder) bewusst wird.
Ich bin / Sie, wir sind unermesslich wertvoll.


Ich grüße Sie herzlich
Ihr


Diakon Georg Hug
Polizeidekan
07021/8046161
Georg.Hug@polizeiseelsorge.org


(1) Marianne Williamson, Rückkehr zur Liebe; Nelson Mandela hat diesen Text in seiner Antrittsrede als Präsident der Republik Südafrika 1991 zitiert.
Denkanstöße:
Das Gleichnis von den anvertrauten Talenten; Mt 25,14–30

Wir alle haben Talent
. Wie wir es nutzen macht den Unterschied.
Stevie Wonder

Man tut, was man kann und legt sich dann schlafen. Und auf diese Weise geschieht es, dass man eines Tages etwas geleistet hat.
Paula Modersohn-Becker

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Fotos: Georg Hug