Monatsimpuls November 2020

 

 Pilz

Herbst.

Die Blätter werden bunt und fallen von den Bäumen, was ein untrügliches Zeichen für den Herbst ist. In diesem Jahr müssen wir auf Vieles, was uns lieb und teuer geworden ist, verzichten oder neu erarbeiten. Keine nochmalige kurze Verschnaufpause vor der besinnlichen Advents- und Weihnachtszeit durch einen Kurzurlaub, kein kurzentschlossener Familien- oder Freundesbesuch. Kein Ausflug in ein Restaurant, Kino oder Theater.

Zwischenmenschliche Kontakte sind wieder eingeschränkt, damit sich das Virus nicht weiter ausbreitet. Doch auch in der herbstlichen Zeit sind sie so wichtig. Wir feiern Allerheiligen, Allerseelen, gedenken unserer Vorfahren und sind der Überzeugung, dass sie durch uns weiterleben. In der Gemeinschaft kommen Erinnerungen, lassen sich Spuren der Vorfahren erkennen.

Gerade bei den zwischenmenschlichen Kontakten ist nun wieder Kreativität gefragt. Ein handgeschriebener Brief, ein unerwartetes Geschenk, ein kleines Zeichen der Aufmerksamkeit, um zu zeigen, dass man den anderen nicht vergisst und nicht vergessen hat – wie wohltuend!

Auch in meinen Gemeinden ist Kreativität gefragt, damit die Kinder Erstkommunion und die Jugendlichen Firmung feiern können. Es ist auch ganz viel Absprache nötig, um ein Brautpaar in diesem Jahr auf dem Weg zur Hochzeitsfeier zu begleiten, viel Zeit, um den Angehörigen der Verstorbenen die letzte Ehre erweisen zu können.

Ich musste neue Formen für eine Erinnerungskultur in diesen Tagen finden. Familien suchen nun individuell die Gräber ihrer Lieben auf oder verabreden sich mit den Verwandten zu einem stillen Gedenken. In den Kirchen liegen Gebetshilfen und Texte aus, die mitgenommen werden können.

Auch die Polizei muss in diesem Jahr kreativ sein. Wir können uns wahrscheinlich nicht, wie gewohnt und geplant am Ewigkeitssonntag treffen, um den im Dienst getöteten Polizistinnen und Polizisten des Landes zu gedenken.

Gerne würde ich auch hier ein Zeichen gegen das Vergessen setzen wollen, indem wir am Ewigkeitssonntag einfach ein wenig Zeit einplanen zum Gedenken an die Kolleginnen und Kollegen, die im Polizeidienst zu Tode gekommen sind. Ich möchte Sie ermuntern vielleicht eine Kerze für sie zu entzünden, kurz inne zu halten und eventuell auch ein kurzes Gebet für sie zu sprechen. Vielleicht gelingt es Ihnen auch dabei an sich zu denken, sich dankbar des Vergangenen zu erinnern und Gott dafür zu danken. Denn nur, wenn wir nicht mehr an die Menschen denken, sind sie wirklich gestorben.

Ich würde mich freuen, wenn dies eine Initiative in diesem Monat sein könnte, der so ganz anders ist als die letzten Jahre.

Ich wünsche Ihnen „denken Sie positiv und bleiben sie negativ“ und rufe Ihnen den altkirchlichen Segen aus dem 4.Jahrhundert zu:

„Gott sei vor dir, um dir den rechten Weg zu zeigen.

Gott sei neben dir, um dich in die Arme zu schließen und dich zu beschützen.

Gott sei hinter dir, um dich zu bewahren vor der Heimtücke böser Menschen.

Gott sei unter dir, um dich aufzufangen, wenn du fällst.

Gott sei in dir, um dich zu trösten, wenn du traurig bist.

Gott sei um dich herum, um dich zu verteidigen, wenn andere über dich herfallen.

Gott sei über dir, um dich zu segnen.

So segne dich der gütige Gott.“

 

 

 

Bernhard Metz            
Landespolizeidekan

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