Monatsimpuls der Polizeiseelsorge Baden-Württemberg
September 2021
ETankstelleBlumenSchlauch

Sehr geehrte Damen und Herren, die Sie in der Polizei des Landes Baden-Württemberg Dienst tun,

auf unsere Monatsimpulse bekommen wir unterschiedliche Rückmeldungen. Sie reichen von Dank und freudigen, zustimmenden Kommentaren über Fragen bis hin zu kritischen Auseinandersetzungen über ein Thema, das wir ansprechen.
Immer wieder gibt es auch den Wunsch zu einem Thema Stellung zu beziehen. Ich wurde gebeten zum Thema Resignation ein paar Gedanken zu schreiben. Das möchte ich gerne tun.

Wenn jemand sagt, dass er oder sie resigniert hat, dann kann das zweierlei bedeuten. Eher negativ, dass jemand aufgegeben hat ein Ziel oder eine Veränderung zu erreichen; widerwillig verzichten. Eher positiv auf etwas verzichten, sich dreinschicken, in der Einsicht, dass etwas aus eigener Kraft oder mit den derzeit zur Verfügung stehenden Mitteln nicht erreicht werden kann; bewusst aus Einsicht verzichten. Viele verbinden allerdings nur die erste Bedeutung – widerwillig verzichten – mit Resignation.

Viele standen jetzt im Sommer vor den Trümmern ihrer Existenz, die durch den Starkregen, die Gewitter und den Hagel zerstört worden ist; oder durch die Feuer. Jahrelange mühevolle Arbeit am, ums, im Haus und Garten waren in kürzester Zeit vernichtet. Resignation hat sich breit gemacht – wie sollte das je wieder aufgebaut werden können?
Immer wieder höre ich bei der Polizei, dass Kolleginnen und Kollegen sich Veränderungen wünschen, dass sie diese sogar anfragen und anregen, aber nicht auf Gehör stoßen und sich dann widerwillig dreinschicken; weil nichts zu machen ist.
Eine andere Situation, die wir häufig besprechen, ist, dass es das Gefühl gibt für den Papierkorb zu arbeiten. Dann, wenn Staatsanwältinnen und Staatsanwälte, Richterinnen und Richter nicht so entscheiden wie das Polizistinnen und Polizisten gerne hätten.
Drei Beispiele aus dem aktuellen Leben.

Mir ist dazu noch ein Beispiel eingefallen. Aus der Bibel.
Da gibt es den Propheten Elija. Er ist der Prophet des jüdischen Gottes JHWH. Allein mit seinem Gott wetteifert er mit 400 Baalspriestern darum wer der wahre Gott ist. Es geht darum welches Opfertier Feuer fängt. Es war seines. In seinem Siegestaumel lässt Elija die Baalspriester töten. Doch die Anhänger des Baalskultes – unter anderem die Königin Isebel – trachten ihm nach dem Leben. Für ihn ist das schwierig zu verkraften. Nach diesem großen Sieg läuft es nicht so wie gewünscht für ihn. Und er legt sich resigniert unter einen Ginsterstrauch und möchte sterben.

Viele waren und sind nach den Naturkatastrophen (oder sind sie zum großen Teil von Menschen gemachte?) verzweifelt. Viele in der Polizei sagen, dass die (da oben) dann ihren Dreck allein machen sollen, dass sie jetzt nichts mehr machen; sie kündigen ihrem Dienstherrn den Dienst auf. Resignation.

Das spannende in der Bibel ist für mich, dass Gott den Rücktritt des Elija nicht annimmt. Widerwillig verzichten geht nicht. Nein, Gott stärkt Elija. Er braucht ihn noch.
Gott schickt einen Engel, der Elija Brot und frisches Wasser bringt. Dann darf er ausruhen, schlafen. Der Engel kommt dann noch einmal, um ihn zu stärken und ihm aufzutragen, dass er aufstehen soll. Elija steht auf und geht gestärkt seinen Weg weiter.
Elija ist in die Wüste gegangen, um zu sterben; aber er wurde dort gestärkt, um neu zu leben. Die Auszeit wurde für ihn zur Kraftquelle, zur Stärkung, zum Neuanfang, zum Aufbruch.
Stärkung ist wichtig.

Was kann uns stärken? Wenn es uns zu viel ist, wenn wir resignieren, wenn wir widerwillig verzichten?
Es lohnt sich mal eine Auszeit zu nehmen, mal abzuschalten.
Es lohnt sich aber auch immer noch einmal hinzusehen, noch einmal hinzugehen, Optionen, Alternativen zu prüfen. Es lohnt sich eine andere Perspektive einzunehmen, aus der die Sache anders aussieht.
Es lohnt sich zu prüfen, ob Sie weniger Kraft aufwenden können und sich dreinzuschicken (auch die Verantwortung abzugeben) weil nichts zu machen ist. Es lohnt sich auf Teilziele zu schauen, die erreicht werden konnten, auch wenn vielleicht das Gesamtziel (noch) nicht erreicht werden kann. Es lohnt sich andere Dinge, die gelingen anzuschauen und diese nicht zu vergessen. Es lohnt sich etwas gelassener, etwas weniger verbissen zu werden und sich gegebenenfalls Hilfe und Unterstützung zu holen.
Es lohnt sich auf die gesamte Arbeit der Polizei, die kompetent, erfolgreich und für viele Bürger und die Gemeinschaft insgesamt hilfreich und wichtig ist, zu schauen.

Sie machen als Organisation und in den meisten Fällen auch als Einzelne einen sehr guten Job. Sie werden – wie Elija – weiterhin gebraucht. Da gibt es nach wie vor noch viel zu tun für die Sicherheit, für Gerechtigkeit, für die Bewahrung der Freiheit und der Unversehrtheit von Leben und Sachen.

Danke Ihnen für Ihren Dienst – und möglichst wenig Resignation aber eine gehörige Portion Gelassenheit und Großherzigkeit.
Hoffentlich konnten Sie oder können Sie noch im Urlaub auftanken, die Batterien laden und dann mit neuer Kraft und Energie wieder durchstarten. Das wünsche ich Ihnen von Herzen.

Gott segne Sie!

Ihr
Diakon Georg Hug 

Polizeidekan
07021/8046161 Georg.Hug@polizeiseelsorge.org
®Fotos: Georg Hug


Gönne dich dir selbst! Ich sage nicht: Tue das immer. Tue es immer wieder einmal.
Sei wie für alle anderen Menschen auch für dich selbst da. Oder jedenfalls sei es nach allen anderen.

Bernhard von Clairvaux


Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Friedrich Oetinger

 

Ich möchte Sie an dieser Stelle auf die Romwallfahrt der Polizeiseelsorge nächstes Jahr vom 3.4. - 8.4. hinweisen. Eine Möglichkeit aufzutanken, die Batterien zu laden, Abstand zu gewinnen.

Flyer

 

 

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