Monatsimpuls Dezember 2020

 

Stern Pfarrhaus

Gott will im Dunkel wohnen

und hat es doch erhellt!

Als wollte er belohnen,

so richtet er die Welt!

Noch manche Nacht wird fallen

auf Menschenleid und -schuld.

Doch wandert nun mit allen

der Stern der Gotteshuld.

Beglänzt von seinem Lichte,

hält euch kein Dunkel mehr.

Von Gottes Angesichte

kam euch die Rettung her.

 

Liebe Männer und Frauen in der Polizei, liebe Lesende,

was für ein Jahr liegt hinter uns- und es ist noch nicht zu Ende! Da kann einem beim Rückblick schiergar schwindlig werden. Selbst, wo wir persönlich möglicherweise gar nicht so be- oder getroffen waren: wenn wir uns umschauen, im näheren und weiten Umfeld, liegen die tiefgreifenden Veränderungen und kräftezehrende Belastungen deutlich vor Augen.

Es wird dieses Jahr noch weniger als sonst gelingen, sich ein paar Tage lang in beschauliche „Besinnlichkeit im Kreise der Lieben“ zu flüchten, wie ich das immer wieder auf Weihnachtskarten lese. Und das ist auch gar nicht angebracht. Manche befürchten ja schon, dass „Weihnachten nicht stattfindet.“ Was für ein Quatsch. Als ob das von Menschen abhinge. Das ist ja gerade das Gute, das Befreiende und Entlastende: Weihnachten ist. Punkt. Gott kommt zur Welt – das ist die eine, die gute Nachricht von Weihnachten. Sie ist immer wieder neu anzuschauen und zu bestaunen. Und im erneuten Feiern könne wir sie uns buchstäblich wieder-holen. Denn wir stehen immer in Gefahr, dass uns Zuversicht und Hoffnung verloren gehen.

Auch in den kommenden Festtagen und Monaten werden Nächte auf Menschenleid und menschliche Verfehlungen fallen – auf unsere eigenen wie auf fremde. Gewalt und Unfriede scheinen ungebrochen regieren zu können. Aber das ist kein Grund, nicht mehr zu feiern. Im Gegenteil: wir sind darauf angewiesen, dass Gott kommt und mit uns geht. Gott kommt nicht nur, im winzigen, jedoch so lebenskräftigen Kind. Gott bleibt und geht mit. Jochen Klepper hat das in seinem Lied „Die Nacht ist vorgedrungen“ so unnachahmlich zur Sprache gebracht. Ein paar Zeilen daraus zitiere ich oben. Gott kommt mitten ins wirre Gestrüpp und in die dunklen Verstrickungen unseres Lebens, in Alltag und besonderen Zeiten. Gott wandert mit in Wüstenzeiten und Oasenstunden. Bei Einsätzen und im Sport. Da geht es eben gerade nicht um Weltflucht, sondern um kraftvolle Ermächtigung zur Feier des Lebens und dem Bestehen von dem, was uns dieses Leben so vor die Füße legt. Manchmal wirft...

Die Welt braucht die Botschaft vom „leutseligen“ Gott, vom Kind, das Liebe und Frieden bringt und lebt. Je finsterer die Umstände, umso wichtiger ist das Licht. Wie gut, dass wir es geschenkt bekommen, ganz ohne unser Zutun! Lassen wir uns neu beglänzen von Gottes Angesicht, damit das Dunkel uns nicht fernhalten kann von der Rettung.

Ihnen allen eine Adventszeit, die zum Geheimnis von Weihnachten führt, gesegnete Festtage und ein behütetes, neues Jahr

Gabriele Hug, Polizeipfarrerin PP Karlsruhe, Christuskirche Karlsruhe