Impuls August 2020

 

Bier- und Hopfengerste


Sehr geehrte Damen und Herren,

die Sie in der Polizei des Landes Baden-Württemberg Dienst tun. ,„Hopfen und Malz...bei dem ist ja Hopfen und Malz verloren!“ Wir kennen diese Redewendung, die aus der Welt der Bierbrauer stammt. Wenn ein Brauer nicht aufmerksam ist oder nicht sauber arbeitet, bleibt schnell nur eine saure Brühe übrig, die keiner möchte. Da ist dann nichts mehr zu retten, Hopfen und Malz sind verloren. Wir sagen das über Menschen, bei denen wir den Eindruck haben: da ist nichts mehr zu retten.

Da lohnt keine Anstrengung mehr. Wenn sich jemand trotz aller Ermahnungen nicht ändert, sind bei ihm Hopfen und Malz verloren.

Fallen Ihnen da Menschen ein? Der ewige Alkoholiker vielleicht, der mal wieder geklaut hat oder sich nicht an ein Hausverbot hält. Oder: sobald man die Adresse des Einsatzortes über Funk hört, ahnt man, was einen dort erwartet. Hopfen und Malz verloren.

Woher wir das wissen? Das ist wie beim Bierbrauer, wir haben unsere Erfahrungen. Sie helfen uns, die Lage einzuschätzen und richtig und schnell reagieren zu können. Aber ist es wirklich so, dass sich Menschen nicht verändern können?

In Jericho gab es einen, den keiner mochte: Zachäus. Er arbeitete mit der verhassten römischen Besatzungsmacht zusammen. Und er verstand es, viel Geld für sich abzuzweigen. Und keiner konnte was tun, denn die römischen Soldaten schützten ihn. Nur einmal konnten die Menschen es ihm zeigen: als alle in der Stadt den durchreisenden Wanderprediger Jesus sehen wollten, ließ ihn keiner nach vorne durch. Und Zachäus hatte das Pech, kleiner als die anderen zu sein. Um etwas zu sehen, kletterte er, der vornehme Mann, auf einen Baum. Und Jesus sieht ihn in seinen teuren Kleidern dort auf dem Baum sitzen und lädt sich bei diesem Obergauner zum Essen ein. Nicht nur die Frommen im Ort dachten und sagten: Unmöglich, das geht nicht! Plötzlich nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung. Die Begegnung mit Jesus hat in diesem Gauner Zachäus etwas verändert. Und in aller Öffentlichkeit verspricht er: Ich gebe die Hälfte von meinem Besitz den Armen. Und wenn ich jemanden betrogen habe, gebe ich es vierfach zurück. Den Zuhörern fiel die Kinnlade herunter.

Wir brauchen unsere Menschenkenntnis und unsere Erfahrung. Sie hilft uns privat wie dienstlich schnell und richtig reagieren zu können. Und ich wünsche es uns, dass wir dennoch offen bleiben dafür, dass ein Mensch sich verändern kann, wenn er entdeckt, dass er von Gott geliebt ist.

Im Dienst erleben Sie oft Menschen, die immer weiter abrutschen. Gibt es die anderen nicht, die sich verändern -oder nehmen wir sie nur nicht mehr wahr? Auch als Pfarrer muss ich es mir immer wieder in Erinnerung rufen: bei Gott gibt es keine hoffnungslosen Fälle. „Prosit allerseits!“

Pfarrer Rudolf Kaltenbach
Pfarrer Rudolf Kaltenbach

Polizeipräsidium Pforzheim

rudolf.kaltenbach@polizeiseelsorge.org

 

 

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