Monatsimpuls Februar 2021


Hygieneregeln für unsere Kommunikation

Liebe Leserinnen und Leser,

fällt Ihnen das auch auf?

Seit die Pandemie die Welt in Atem hält und sich die Varianten des SARS-COV-2 Virus unaufhaltsam verbreiten, verändert sich auch unsere gesellschaftliche Kommunikation. Die Polizei erlebt das täglich im Einsatz, aber in den digitalen Foren wird es am greifbarsten. Wo bis vor kurzem ein „shitstorm“ noch ein Einzelphänomen war, wächst sich mittlerweile nahezu jeder Austausch über Fragen zum Thema „Infektionsgeschehen“ „Lockdown“, „Impfpriorität“ oder ähnlicher Reizwörter alsbald zum digitalen Kleinkrieg aus. Fast scheint es, als müssten wir uns neben den AHA-Regeln und Partikelfiltermasken für die physischen Begegnungen des Alltags ebenso notwendig auch Hygieneregeln für unseren kommunikativen Umgang, im Besonderen im digitalen Bereich, geben, wenn wir als Gesellschaft auch mental gesund aus dieser beachtlichen Krise herauskommen wollen.

Dazu scheint mir hilfreich, was ein alter griechischer Gelehrter vor zweieinhalbtausend Jahren zu beherzigen vorgeschlagen hat. Es ist durch folgende kleine Anekdote überliefert:

Sokrates

Einst ging der Philosoph Sokrates durch die Straßen von Athen, als ein Mann aufgeregt auf ihn zulief. „Sokrates, ich muss dir etwas über deinen Freund erzählen, der...“ „Warte einmal“ , unterbrach ihn Sokrates. „Bevor du weitererzählst – hast du die Geschichte, die du mir erzählen möchtest, durch die drei Filter gesiebt?“ „Die drei Filter? Welche drei Filter?“ fragte der Mann überrascht. „Lass es uns überprüfen!“ schlug Sokrates vor. „Da ist der Filter der Wahrheit. Bist du dir sicher, dass das, was du mir erzählen möchtest, wahr ist?“ „Nein, ich habe gehört,wie es jemand erzählt hat.“ „Aha. Aber dann ist es doch sicher durch den zweiten Filter gegangen, der Filterdes Guten? Ist es etwas Gutes, das du über meinen Freund erzählen möchtest?“ Zögernd antwortete der Mann: „Nein, das nicht. Im Gegenteil....“ . „Hm,“ sagte Sokrates, „jetzt bleibt uns nur noch der dritte Filter: Ist es notwendig, dass du mir erzählst, was dich so aufregt?“ „Nein, nicht wirklich notwendig,“ antwortete der Mann. „Nun,“ sagte Sokrates lächelnd, „wenn das, was du mir erzählen willst, nicht sicher wahr ist, nicht gut ist und auch nicht notwendig ist, dann vergiss es besser und belaste mich und dich selbst nicht damit!“

Stellen wir uns vor, wie das wäre, wenn alle, die der Finger am Touchscreen oder der Maus juckt, sich künftig besonnen an die drei Filter der Wahrheit, der Güte und der Notwendigkeithalten würden, bevor sie etwas im Netz posten, kommentieren oder auch nur liken oder disliken. Es wäre wohl deutlich stiller im kommunikativen Orbit. Wir könnten wieder unaufgeregt und sachlich Informationen gegeneinander abwägen und hie und da mit einer freundlichen Prise Humor garnieren. Statt uns vor Shitstürmen wegducken zu müssen, könnten wir wieder interessiert Austausch im Sinne von Wahrheitsfindung und Wegweisung halten...Natürlich funktioniert das nur, wenn möglichst viele sich an diese drei alten Regeln der Kommunikation halten.Je mehr desto besser. Ich habe mir vorgenommen, dabei zu sein – nicht nur durch die Zeit der Pandemie...Sie auch?

Herzlich grüßt Sie

Ihr Ulrich Enders

Polizeiseelsorge.Enders@elkw.de

 

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