Impuls Juli 2020

 

Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.

„Ich bitte nicht um Wunder und Visionen,
Herr, sondern um Kraft für den Alltag.

Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.

Mach mich findig und erfinderisch, um im täglichen Vielerlei und Allerlei rechtzeitig meine Erkenntnisse und Erfahrungen zu notieren,
von denen ich betroffen bin.

Mach mich griffsicher in der richtigen Zeiteinteilung,
schenke mir das Fingerspitzengefühl,
um herauszufinden, was erstrangig und was zweitrangig ist.

Ich bitte um Kraft für Zucht und Maß, dass ich nicht durch das Leben rutsche, sondern den Tagesablauf vernünftig einteile,
auf Lichtblicke und Höhepunkte achte,
und wenigstens hin und wieder Zeit finde für einen kulturellen Genuss.

Lasse mich erkennen, dass Träume alleine nicht weiterhelfen,
weder über die Vergangenheit, noch über die Zukunft.
Hilf mir, das nächste so gut wie möglich zu tun
und die jetzige Stunde als die wichtigste zu erkennen.

Bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müsste im Leben alles glatt gehen. Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen.

Erinnere mich daran, dass das Herz oft gegen den Verstand streikt.
Schick mir im rechten Augenblick jemand, der den Mut hat, mir die Wahrheit in Liebe zu sagen.
Ich möchte dich und die anderen immer aussprechen lassen.
Die Wahrheit sagt man nicht sich selbst, sie wird einem gesagt.

Ich weiß, dass sich viele Probleme dadurch lösen lassen,
dass man nichts tut. Gib, dass ich warten kann.

Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen.
Gib, dass ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten und zartesten Geschenk des Lebens gewachsen bin.
Verleih mir die nötige Phantasie im rechten Augenblick ein Päckchen Güte, mit oder ohne Worte, an der richtigen Stelle abzugeben.
Mach aus mir einen Menschen, der einem Schiff mit Tiefgang gleicht, um auch die zu erreichen, die unten sind.

Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen.
Gib mir nicht, was ich mir wünsche, sondern was ich brauche.

Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte!“

Liebe Leserinnen und Leser,

der Text von Antoine de Saint-Exupéry, dem Schöpfer des „Kleinen Prinz“, begleitet mich schon eine ganze Weile. Aber gerade in den Tagen von Corona, die geprägt sind von Ungeduld und der Angst, etwas versäumen zu können, wurden mir diese Zeilen besonders wichtig und wertvoll.

Ich wünsche uns, Ihnen liebe Leserinnen und Leser aber auch mir, dass wir unser eigenes Tempo und unser eigenes Schrittmaß finden können. Die „Kunst der kleinen Schritte“ lehrt uns einiges. Versuchen wir die kleinen Dinge mehr zu schätzen, indem wir sie als Geschenk erkennen und nicht nur den großen Schritten Bedeutung zumessen oder große Dinge würdigen. Üben wir, uns selbst (neu) zu entdecken und zu „fair“-ändern. Dann können wir die Welt ein bisschen besser machen, als wir sie vorgefunden haben. Lassen sie uns gemeinsam diesen Traum träumen und umsetzen.

Ihr

Bernhard Metz

Landespolizeidekan - Polizeidekan der Erzdiözese Freiburg

Pfarrgasse 3, 74238 Krautheim Gommersdorf

T.  06294 4280385  mobil: 0171 5444710   F. 06294 4280605

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