Impuls August 2019

 

Im Hier und Jetzt

Alles prasselt auf Dich ein. Am Abend überlegst Du Dir schon, was Du alles am Morgen zu tun hast. Am Morgen bist Du gedanklich schon wieder beim Abend. Und das täglich. Immer wieder gibt es für Dich etwas zu tun, was viel wichtiger ist als das, was gerade jetzt im Moment passiert. „Ich muss noch schnell einkaufen. Ich muss noch ein Rezept abholen und ich muss es am besten so machen, dass es allen recht ist!“. Immer wieder ein „ich muss noch“ und „am besten jetzt und parallel zu allem anderen“. Stets die eigenen Erwartungen an sich selbst und die der anderen erfüllen wollen. Das Jetzt zurückstellen, auf den Abend oder den nächsten Morgen. Weil es immer wichtigeres zu tun gibt. Und das täglich. Immer gehetzt, immer im Tun, viel zu oft befinden wir uns nicht im Hier und Jetzt.

„Am Abend oder morgen wird es besser. Ganz bestimmt.“ Nur zu selten erfüllt sich das. Denn, es gibt dann wieder den nächsten Abend und den nächsten Morgen, auf den wir warten und hoffen, dass es dann ruhiger wird.

Diese Erfahrungen habe ich bereits selbst oft gemacht. Ich erlebe es bei anderen Menschen und immer wieder fällt mir auf, dass ich mir selbst die Frage stelle: Muss das sein? Macht mich das glücklich? Bin ich dann wirklich zufrieden, wenn erst der erhoffte Morgen dann kommt? Und meistens ist die Antwort: NEIN! Ich fühle mich dadurch nur gehetzt, unausgeglichen und kann mich nicht über Dinge freuen, die jetzt gerade vor mir sind.

Seit einigen Wochen ist es plötzlich anders. Ich merke eine Veränderung. Ich bin viel mehr im Hier und Jetzt. Wenn ich esse, esse ich. Wenn ich schlafe, schlafe ich, wenn ich eine Aufgabe am Computer erledige, dann bin ich ganz bei der Aufgabe. Gelegentlich bin ich gezwungen, mein Tun zu unterbrechen. Dies mache ich dann allerdings bewusst.

Diese überraschende Veränderung zu mehr Achtsamkeit bringt mir mein Hund bei, den ich kürzlich adoptiert habe.
Zu Beginn habe ich versucht, ihn in meinen bestehenden Alltag zu assimilieren. Er sollte sich eben voll und ganz anpassen. Dieses Vorhaben klappte allerdings überhaupt nicht. Ich wurde nervös und es zeigte sich eine Ungeduld in mir. Doch wie reagierte mein Hund darauf? Er weigerte sich, wurde nervös und vergaß sogar bereits eingeübte Regeln und Befehle. Je nervöser ich wurde, desto deutlicher zeigte er mir seinen Widerstand. Mit seiner Reaktion zwang er mich aus meinen durchgeplanten Strukturen herauszubrechen und mich auf seine Bedürfnisse im HIER und JETZT zu konzentrieren. Es gibt in der Tierwelt kein „Gleich, nur noch die eine Aufgabe“, es gibt nur das Hier und Jetzt. In dieser Position fallen mir plötzlich viele Dinge auf, die ich vorher in meiner Hast und Eile übersehen habe. Ich führe viel mehr Gespräche mit Menschen, arbeite plötzlich viel stressärmer und effizienter und was mir besonders aufgefallen ist: ich schaffe trotzdem alles. Natürlich heißt das nicht, dass wir nicht planen müssen, auch nicht, dass wir uns nicht erinnern dürfen an das, was war. Aber es befreit einfach zu wissen, dass wir auch in diesem Moment (einfach) SEIN dürfen. Ihn genießen können und unsere Konzentration nur dem Jetzt widmen. Es befreit zu wissen, dass wir auch in Hochphasen uns sammeln dürfen und in diesem kurzen Moment verweilen können. Besonders im Polizeiberuf weiß man nie genau, wann man das nächste Mal zum Essen kommt oder wann der nächste Einsatz folgt, der einen bis in den Feierabend hinein begleiten wird. Da ist es umso wichtiger die kurzen Phasen der Ruhe achtsam zu genießen, sie wahrzunehmen und darin ganz bewusst und ungeteilt zu verweilen, als gäbe es keinen Abend und keinen Morgen.

Als ich den Monatsspruch für den August las, schien es für mich naheliegend, meine Erfahrung von meinem kleinen neuentdeckten Himmelreich des Momentes, der Ruhe und der Gelassenheit weiter zu tragen. Vielleicht ermuntert es den ein oder anderen, dieses kleine Himmelreich in sich zu entdecken, damit die Hoffnung auf das große Himmelreich durch uns alle wachsen kann. Und zwar in voller Achtsamkeit.

Monatsspruch August: Gehet und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. Matthäus 10,7


Elvira Leskowitsch M.A.
Gemeindediakonin Polizeiseelsorge
Kirchenbezirk Wertheim, Willy-Brandt-Str. 1 97877 Wertheim

Elvira.Leskowitsch@kbz.ekiba.de

 

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