Monatsimpuls Mai 2019 – Polizeiseelsorge

 

Glasfenster Pfarrkirche St. Christoph



Sehr geehrte, liebe Frauen und Männer, die Sie in der Polizei des Landes BadenWürttemberg Dienst tun,
Stürmische Zeiten….

Eine wohl bekannte biblische Erzählung ist die Beruhigung der stürmischen See durch Jesus. Im übertragenen Sinne kann die Geschichte für ganz viele Lebenssituationen stehen, ob im privaten oder beruflichen Leben. Irgendwie ist es immer stürmisch. Gleichzeitig gibt es aber auch die innere Sehnsucht nach Ruhe, nach dem Moment, an dem Ruhe einkehrt - nach ruhigen Fahrwassern. Auch in der Polizeiorganisation und ihren Menschen.

Es geschah aber eines Tages: Er stieg mit seinen Jüngern in ein Boot und sagte zu ihnen: Wir wollen ans andere Ufer des Sees hinüberfahren. Und sie fuhren ab. Während der Fahrt aber schlief er ein. Und ein Sturmwind fuhr auf den See herab; das Wasser schlug in das Boot und sie gerieten in Gefahr. Da traten sie zu ihm und weckten ihn; sie riefen: Meister, Meister, wir gehen zugrunde! Er stand auf, drohte dem Wind und den Wellen und sie legten sich und es trat Stille ein. Er aber sagte zu ihnen: Wo ist euer Glaube? Sie aber fragten einander voll Schrecken und Staunen: Wer ist denn dieser, dass er sogar den Winden und dem Wasser gebietet und sie ihm gehorchen? (Lk 8,22-25)

Die Situation auf dem Boot ist alles andere als lustig. Jesus schläft hinten gemütlich in der Ecke. Nicht verwunderlich, dass Jesus auf der Seeüberquerung auch mal eine Zeit der Stille und des Ausruhens gebrauchen kann. Er ist unentwegt unterwegs, von einem Ort zum andern, von einer Situation zu nächsten. Kraftraubend, anstrengend, gerade auch weil er sich allen aussetzt, seinen Verehrern und seinen Verfolgern. Nicht verwunderlich also, dass Jesus die Zwischenzeiten nutzt, um auszuruhen. Die Szene auf dem Boot geht weiter: Seine Gefährten waren vorne dran - aufgeregt, verunsichert, unbeholfen, irritiert. Ihre Haltung versinnbildlicht alles andere als Souveränität oder Gelassenheit, kein Vertrauen, keine Hoffnung, kein Glaube an sich selbst, kein Blick für das Ganze, für Gott. Als Jesus dann von hinten nach vorne kommt und den Sturm stillt, sich die Situation wieder beruhigt, kommt er gleich auf den Punkt: Konzentriert Euch auf das Wesentliche! Habt Vertrauen und Zuversicht! Verlasst Euch auf Gott!

Mir begegnen in der Polizei diese stürmischen Zeiten seit nun mehr fünf Jahren. Irgendwie ein Dauerzustand, der sich bemerkbar macht auf allen Ebenen und Prozessen: Personalfluktuation, Reorganisation, zunehmende
Aufgabenwahrnehmung, Führungswechsel…Ein Dauerzustand, der die Seele ständig herausfordert, trotz der so notwendigen Ruhephasen. Von Jesus können wir lernen, die Zwischenzeiten zur Entschleunigung und zum Rückzug zu nutzen. Vielleicht ist es auch mal angesagt, nicht bei allem und jedem Thema vorne dran zu stehen und mitreden zu müssen. Vielleicht ist es trotz der dauernden Beanspruchung besser, nach hinten zu treten - Abstand. Und wir können von Jesus lernen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, auf das, was wirklich wichtig ist. Hier hat jedeR sicher seine/ihre eigenen Prioritäten. Gläubigen Menschen spricht Jesus zu, sich noch mehr auf den Urgrund des Seins, das Göttliche in uns zu verlassen. Vertraue auf Gott, um den Fokus eben nicht mehr auf das Stürmische zu lenken!


Diakon Dr. Hubert Liebhardt

Polizeiseelsorger für die Polizeipräsidien KN, RT, TUT, UL, HfPol Ulmergasse 9 89073 Ulm 0171-3134686 hubert.liebhardt@polizeiseelsorge.org


Bildnachweis: Glasfenster in der Pfarrkirche St. Christoph in Dornbirn Rohrbach Künstler: Prof. Albert Birkle 1964 Mit freundlichen Genehmigung der Katholische Kirche Vorarlberg / Mäser

 

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