Monatsimpuls Juni 2024

 

Autobahn


Begegnen statt Vergegnen

 

Auf einer Autobahnbrücke zu stehen und eine Weile auf sich wirken lassen,                  was da unten abgeht … - das ist faszinierend und beängstigend zugleich.

Die einen spült der Berufsverkehr nach Hause, andere treibt der Terminkalender.

Brummifahrer halten die Lagerbestände der Firmen am Rollen. Manche bewegt die Reiselust. Pendler rollen ihre Strecke wie im Schlaf.

Eine Kette, die nicht abbricht, - im hektischen Auf und Ab jagen die pfeilschnellen Gefährte hintereinander her. Die Augen kommen kaum nach. Man spürt die Druckwellen der großen LKWs und hört die hochdrehenden Motoren.

Man kann unentwegt Rangeleien beobachten auf der Überholspur: Wütende Lichthupenblitze und blinkendes Gedrängel, resigniertes, manchmal auch angstvolles Einlenken oder auch trotziges Standhalten.

Fast eine Metapher für Leben wie es nicht gut ist, - wie es unsere seelischen Ressourcen frisst. Kurze und unpersönliche Blicke von Blechwand zu Blechwand.

Kaum Wahrnehmen des anderen, - immer nur aneinander vorbei…

Der Religionsphilosoph Martin Buber hat einst das Wort „Vergegnung“ geprägt,                   und damit Begegnungen von Menschen gemeint, die ohne jedes Eingehen aufeinander geschehen.

Unser Alltag ist davon stärker geprägt, als es uns gut tut – menschliches Miteinander,                    in dem es kein Eingehen aufeinander gibt: In den Straßen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, in den Supermärkten, in manchen Großraumbüros und Wartezimmern. Und gerade Polizistinnen und Polizisten in Uniform erleben es oft: Das Wegsehen von Leuten, die Sprachlosigkeit und Anonymität, - das Vergegnen.

Was für eine Wohltat, wenn das aufgebrochen wird: Wenn Menschen innehalten, einander wahrnehmen, freundlich und zuvorkommend miteinander umgehen, sich gegenseitig kleine Hilfe leisten, obwohl man sich gar nicht kennt. Da kann einem kurz mal richtig das Herz aufgehen – der Tag geht anders weiter, nach gutem Begegnen.

Im Grunde ist solches Begegnen in kleiner Münze das, was uns die biblische Jahreslosung 2024 nahe legt: Lass alles in der Liebe geschehen!

Ich wünsche Ihnen und mir viele solcher kleinen Begegnungen, die unser anonymes Miteinander aufbrechen und das Herz froh machen!

 

Ihr Ulrich Enders

Polizeiseelsorge.Enders@elkw.de

 

Impuls als PDF 

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Monatsimpuls Mai 2024 – Polizeiseelsorge

 

Ein neuer Auftrag!

 Sehr geehrte, liebe Frauen und Männer, die Sie in der Polizei des Landes Baden-Württemberg Dienst tun,

ich bin nun seit über 10 Jahren als Polizeiseelsorger in vier großen Flächenpräsidien eingesetzt. Die eine oder den anderen von Ihnen, lieber Leser:innen, durfte ich in den vielfältigen Gelegenheiten bei unterschiedlichen Formaten von Gruppenangeboten wie Entlastungstagen, Praxisreflexionen, Berufsethikunterricht, Einkehrtagen oder Exerzitien oder auch im Rahmen von Einzelberatungen oder Einsatznachbereitungen begegnen und begleiten. Das Betreuungsangebot innerhalb der Polizei hat sich durch die Hauptamtlichkeit der Psychosozialen Beratung hervorragend etabliert und professionalisiert. So durfte ich als Polizeiseelsorger subsidiär als Kooperationspartner mit den internen Kolleg:innen viele gute Entwicklungen voranbringen.

 

Im Rahmen dieses Impulses ist es mir ein Anliegen, dankbar zurückzuschauen auf eine erfüllte Zeit. Die Zeit in der Polizei ist deshalb so erfüllend und wertvoll, weil ich Menschen begegnen durfte, die mit einem hohen Maß an Selbstaufgabe, Engagement, Menschenliebe und Pflichtbewusstsein ihren Dienst für die Bürger:innen unseres Landes verrichten zum Wohle unserer Freiheit und Demokratie. Der letzte Satz klingt salbungsvoll und pathetisch. Doch denke ich dabei an viele Einzelbegegnungen mit Kolleg:innen bei der Schutzpolizei, bei der Kriminalpolizei, mit Polizeibeamten auf der Straße und Führungskräfte auf der mittleren oder obersten Leitungsebene. Menschen mit Leidenschaft für den Polizeiberuf. Menschen mit Leidenschaft, für uns alle Bürger:innen einzustehen. Dabei müssen Sie nicht selten mit Tendenz steigend Missachtung, Respektlosigkeit, Gewalt und Autoritätsverlust hinnehmen. Ich erlebe Menschen in der Polizei, die trotzdem und gerade deshalb, weil eine schleichende gesellschaftliche Veränderung wahrzunehmen ist, mit einer klaren aufrichtigen Einstellung zu den Grundwerten unserer Gesellschaft stehen und sich eben nicht verbiegen und angleichen. Ich erlebe eine deutliche Verjüngung der Polizeibelegschaft, ebenso mit solchen werdenden Charakteren. Ihnen allen gilt mein höchster Respekt.

 

Ich - und ich spreche sicher für alle Polizeiseelsorger im Land - möchten Ihnen unsere Unterstützung, unseren Beistand und unser Gebet zusichern. Mein neues Amt als katholischer Landespolizeidekan ist Aufgabe und Herausforderung zugleich, der Fürsorge, der Würde und dem Wohl unserer Polizeibeamten ein Stimme zu verleihen. Die Amtseinführung fand am 19.4.24 in Stuttgart statt. Sie finden einen ausführlichen Bericht unter: https://www.drs.de/ansicht/artikel/speerspitze-sein-wenn-alle-stricke-reissen.html.

 

Ihnen möchte ich besonders in der Osterzeit den Psalmvers (Ps 84): „Der Herr ist Sonne und Schild“ ans Herz legen. Das Logo der Polizeiseelsorge für die Länderpolizeien ist dem Polizeistern nachempfunden und lehnt sich an den Bibelvers an. Er hat zur Unterscheidung vom Polizeistern nicht zwölf, sondern sieben große und sieben kleine Strahlen. Die Zahl Sieben steht für das „Ganze“ (das ganze Leben, die ganze Person, die Einheit des Lebens). In der Bibel drückt sie etwas Heiliges, Gegebenes aus, das mit Ehrfurcht und Respekt angenommen und geachtet werden soll wie die Siebentagewoche und der Siebente Tag, der nicht Alltag, sondern Tag für Gott, Zeit für Besinnung, Raum für die Fragen nach dem Sinn des Lebens und nicht für den Geschäftssinn gibt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Gottes Schutz und Segen.

 

Diakon Dr. Hubert Liebhardt

Landespolizeidekan

Polizeiseelsorger für die Polizeipräsidien KN, RT, RV, UL, HfPol

Reschweg 12, 89081 Ulm

0171-3134686

hubert.liebhardt@polizeiseelsorge.org

 

Logo Kirchliche Arbeit in der Polizei

 

Impuls als PdF