Monatsimpuls Mai 2018 - Polizeiseelsorge

 

Führen heißt Dienen  

Liebe Leserinnen und Leser, wo immer ich in der großen Polizeifamilie unterwegs bin, sei es im Gespräch unter vier Augen, bei einer Streifenbegleitung oder bei der Praxisreflexion mit einer Dienstgruppe, - ein Thema rückt stets verlässlich in den Blickpunkt: „Führen und Leiten“. Wie der oder die Vorgesetzte mit mir umgeht,  das lässt mich nicht kalt, geht mich unmittelbar an. Mitunter geht es auch richtig ans Eingemachte. Spannend dabei ist, dass man innerhalb der polizeilichen Hierarchie im Laufe seines Arbeitslebens beides ist, meistens zugleich: Geführter und Führender. Da stellt sich umso dringender die Frage:  Was macht gute Führung im Kern aus?

Ich komme aus der Arbeitswelt der Kirche. Auch dort wird geführt. Vorbild soll dabei Jesus selbst sein.

„Jesus rief seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen:  Ihr wisst, dass die weltlichen Fürsten herrschen und die Mächtigen unter ihnen haben Gewalt. Aber so soll es unter euch nicht sein. Sondern welcher groß werden will unter euch, der soll euer Diener sein; und welcher unter euch der Vornehmste werden will, der soll der Knecht aller sein. ( aus dem Markusevangelium Kap. 10).

Wir können aus diesem provokanten Jesuswort, mit dem er das Hierarchiestreben seiner Jünger auf den Kopf gestellt hat, sicherlich keine Führungslehre für unsere Polizei ableiten. „Der Größte sei der Diener der Niedrigen“. 

Der Landespolizeipräsident sei der Diener aller Polizeibeamteten in Baden Württemberg… Der Revierleiter sei der Diener seiner Streifenbeamtinnen und -beamten… Die Zugführerin sei die Dienerin ihrer Einsatzkolleginnen und -kollegen… Dieses Jesuswort birgt einen Impuls, der die Entwicklung der Demokratie und ihre Führungsmuster nachhaltig mitgeprägt hat. Das kooperative Führungsmodell der Polizeien in Deutschland atmet etwas von diesem Hierarchieverständnis, das Jesus in die Weltgeschichte eingestiftet hat.

Ein Mächtiger im Sinne Gottes dient den Niedrigen. 

Und wir alle haben wohl im Lauf unseres Lebens immer mehr diejenigen Führungspersönlichkeiten zu schätzen gelernt, denen es nicht um ihren eigenen Führungsanspruch geht, sondern um die Sache,  die allen dient. Und um die Menschen,-  dass ihre Würde gewahrt und beschützt wird. Wer so führt, der muss sich selbst gut geführt wissen.  Am besten zuerst und zuletzt von dem, der der Ursprung aller Dinge ist.  In diesem Sinne möchte ich Ihnen und mir selbst ein Gebet mit in Ihren und meinen beruflichen Alltag geben. Es stammt von Dag Hammarskjöld, dem ehem. Generalsekretär der Vereinten Nationen.  Ein Gebet, das uns helfen kann, in unserem Führen und Geführtwerden Augenmaß und Demut zu finden.


„Du, der über uns ist, du, der einer von uns ist. Du, der ist – auch in uns: Dass alle dich sehen – auch in mir, dass ich den Weg bereite für dich, dass ich danke für das, was mir anvertraut ist, dass ich dabei nicht vergesse der anderen Not. Behalte mich in deiner Liebe, so wie du willst, dass andere bleiben in der meinen. Amen“

Die Fußwaschung , alte MiniaturFußwaschung Jesu

Die Fußwaschung , alte Miniatur

 
                                                                                     

Ulrich Enders

Landespolizeipfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg

Ulrich.Enders@polizeiseelsorge-elkwue.de

 

Der Impuls als PDF-Dokument